Reisebericht: Am Grab meines Großvaters
Vor zwei Jahren unternahm ich eine Reise nach Frankreich, um mich dort auf die Spuren meines Großvaters zu begeben. Wilhelm Mustermann starb 1942 an der französischen Küste durch einen Bombenangriff der alliierten Streitkräfte. Einmal seinen Todesort zu besuchen, war ein großer Wunsch von mir.
Nach einer aufwändigen Recherche von Deutschland aus konnte ich den ungefähren Standort des Bunkers feststellen, in dem mein Großvater starb. Vor Ort wollte ich dann weiter recherchieren.
Der Flug nach Paris war noch der einfachste Teil der Reise. Von der französischen Hauptstadt ging es mit dem Zug weiter nach Nantes, ganz im Westen des Landes. Ein klappriger Bus brachte mich dann
weiter in das Dörfchen Le Breil.
Dort angekommen musste ich mich mit meinen rudimentären Französischkenntnissen zur früheren Frontlinie durchfragen. Die ehemaligen Kriegsschauplätze erinnern heute kaum an die grauenvolle Schlacht
vor 60 Jahren – inzwischen liegt dort ein Neubaugebiet, und die Kinder spielen fröhlich im Hof.
Auf der Straße sprach ich einen Passanten an, ob er von ehemaligen Bunkern wüsste, die an diesem Platz gestanden hätten. Wie sich bald herausstellte, hätte ich niemand besseren fragen können: Der
Unbekannte war Jaques Larouse, ein leidenschaftlicher Hobby-Historiker. Jaques lud mich zu sich nach Hause ein und breitete dort eine detaillierte Karte aller deutschen Bunker aus. Mit meinen zuvor
recherchierten Informationen konnten wir schnell den Standort identifizieren, an dem mein Großvater die letzten Stunden seines Lebens verbrachte.
Am nächsten Tag besuchten wir gemeinsam die Stelle des Bunkers. Ich war sehr aufgeregt, nun an meinem Ziel angekommen zu sein, aber der Moment wurde dann nicht so emotional wie ich mir das erhofft
hatte. Inzwischen steht auf der Stelle des ehemaligen Bunkers eine Schule, und nicht einmal eine Plakette erinnert an die schrecklichen Kriegsjahre. Etwas enttäuscht, aber trotzdem glücklich über
meinen Besuch an diesem historischen Ort, fuhr ich am anderen Tag zurück nach Deutschland. Bis heute stehe ich mit Jaques in Kontakt.